10Jul

… nicht auf Sand gebaut…

Die Theologie gehört mit zu den wissenschaftlichen Disziplinen, die zum Entstehen der Universitäten geführt haben. Dieser Sachverhalt stellt hohe Ansprüche an eine christliche Universität, wie die Universidad Evangélica del Paraguay (UEP).

Erstens, der Glaube an den Schöpfergott.

Wir glauben, dass der dreieinige Gott nicht nur das Universum geschaffen hat, sondern es auch erhält und regiert. Die Schöpfung ist allein Gott unterordnet, und in ihm findet sie ihren Sinn und ihr Ziel. Dieses Bekenntnis bringt für die UEP radikale Konsequenzen mit sich. Alles Studieren ist dem allmächtigen Gott unterordnet. Die gesamte Schulgmeinschaft ist bestrebt, alles Wissen unter Gott und seinen Absichten mit Schöpfung und Mensch, zu vereinen.

Zweitens, Wissenschaft und Glaube sind Alliierte, nicht Feinde.

Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander. Gott hat den Menschen dazu beauftrag, die Schöpfung Gottes zu verwalten (1.Mose 1,27- 31). Wissenschaftliches Arbeiten besteht prinzipiell darin, nicht nur zu entdecken, was Gott erschaffen hat, sondern diesem auch Zweck und Sinn zu geben, und alles Erkannte dem Schöpfergott und der Menschheit zu Diensten zu stellen. Dass dabei die Folgen des Sündenfalls eine sehr bedeutende Rolle spielen, darf nicht vergessen werden. Die von der Sünde getriebene menschliche Natur steht ständig in der Gefahr, sich ein Monument (1. Mose 11) zu errichten und durch Wissen den Nächsten zu bezwingen und zu unterdrücken.

Drittens, der Heilige Geist befruchtet, orientiert und vertieft das akademisch- wissenschaftliche Arbeiten.

Obwohl die Bibel als Wort Gottes grundsätzlich ein Buch des Glaubens und nicht ein wissenschaftliches Buch ist, stellt das akademische Arbeiten kein Problem dar. Folglich stehen auch Heiliger Geist und Wissenschaft miteinander in einer dynamischen Beziehung. Und da reicht natürlich der Glaube an den allmächtigen Schöpfergott und die kraftvollen Wirkungen des Heiligen Geistes über das rein wissenschaftlich Erkennbare weit hinaus. Seit Pfingsten leben wir im Zeitalter des Heiligen Geistes, der in diese von Gott geschaffene Welt hineinwirkt und Gottes reale Präsenz ist. Die gesamte Schöpfung, kreativ und prächtig, wie sie gestaltet wurde, ist aus dem Geist Gottes heraus geboren.

Mehr noch, durch die Gegenwart von Gottes Geist führt das Studieren und Lernen zur Anbetung – wissenschaftliche Anbetung! Das Lied, „Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte… “, illustriert diese Überzeugung wunderbar. Die geschaffene Welt zu betrachten, ist wissenschaftliches Arbeiten. Dieses wiederum lässt die Spuren des Schöpfers erkennen und führt zur Anbetung.

Viertens, der Mensch steht im Zentrum.

Ein kleiner Planet im gesamten Universum, genannt Erde, ist das Wohnzentrum der Menschheit und der Ort, wo Gottes Sohn für die Menschen stirbt. Das bedeutet: Gott geht es um den Menschen, die Krone seiner Schöpfung. Eine christliche Universität ist folglich berufen, Antworten für die Bestimmung des Menschen zu suchen und diese zeitgemäß und sinnvoll zu reflektieren und zu artikulieren.

Das biblische Menschenbild spielt besonders für die Pädagogik eine sehr bedeutende Rolle. Da der Mensch eine Einheit bildet, gehören „Kopf“ und „Herz“ zusammen. Das Herz ist das Zentrum des Menschen – das Ich, das entscheidet, das glaubt und das auch denkt. Bildung ist darum immer auch Erziehung. Jeglicher erfolgreiche Lernprozess involviert den ganzen Menschen, d.h. ist immer auch Wachstums- und Veränderungsprozess. Richtiges Denken hat einen direkten Bezug zu Gesinnung und Verhalten des Menschen.

Hinzu kommt noch der vielfache Auftrag der Christen, der bei keiner der wissenschaftlichen Disziplinen außer Acht zu lassen ist. Die UEP antwortet darauf mit ihrem bibelorientierten Leitmotiv: Educar para servir. Prioritär natürlich ist der missionarische Auftrag – evangelistisch und sozial-diakonisch. Der kulturelle und wirtschaftliche Auftrag muss aber auch stets neu überdacht werden. Hier setzt die UEP ihr Vertrauen auf den Heiligen Geist, damit ihre kulturverändernde Ausstrahlung wirkungsvoll ist. (Joh. 16,8-11; Röm. 12,1-2).

Fünftens, die Ethik ist ein Imperativ!

Keine Universität darf sich der ethischen Fragen entziehen, und schon gar nicht mit dem irreführenden Argument, dass die Wissenschaft neutral zu sein habe. Nur wo es keinen Gott gibt, gibt es keine Ethik. Für die UEP nimmt die Ethik einen zentralen Platz ein. Ihr liegt daran, ethische, aus dem christlichen Glauben entspringende, Kriterien zur Gestaltung des Lebens zu erarbeiten.

Die Reformation wurde zum größten Teil im Schosse der Universitäten geboren. Diese Tatsache dient der UEP als Inspiration, Herausforderung und Orientierung.

Victor Wall

Dieser Artikel wurde entnommen aus der Juli-August Ausgabe der Zeitschrift Gemeinde unter dem Kreuz des Südens (GuKS) welche von der Vereinigung der Mennoniten Brüder Gemeinden Paraguays herausgegeben wird. HIER können sie die ganze Ausgabe lesen.