10Jul

Anfänge und Bedeutung der südamerikanischen MB Konferenz

Aus Russland kannten die Leiter und Mitglieder der Mennoniten Brüdergemeinden ihre ‚Bundeskonferenz‘. Das wohl größte Unternehmen war die Erarbeitung eines gemeinsamen Glaubensbekenntnisses. Dieses sehr ausgewogene und bibelorientierte, täuferische Glaubensbekenntnis war in den lokalen Mitgliedgemeinden durchgearbeitet, abgestimmt und unterschrieben worden.

Die seit 1870 und dann wieder ab 1920 nach Amerika abgewanderten Brüdergemeindler gründeten mit den ‚Distriktkonferenzen‘ Kanada und USA eine Generalkonferenz‘ der Mennoniten Brüdergemeinden.

  1. H. Unruh hatte den Flüchtlingen 1930 in Mölln eingeschärft, die drei internen Gemeinderichtungen aufzugeben. Er war damals schon sehr stark überzeugt von der prägenden Kraft von Sippe, Volk und Blutszugehörigkeit. Für ihn waren Mennoniten im Prinzip deutschsprechende Menschen, die über die Jahrhunderte hinweg zu einer „Kultus- und Kulturgemeinschaft“ zusammengeschmolzen waren.

In diesem Punkt allerdings waren seine südamerikanischen „Sorgenkinder“ nicht gehorsam. Schon im ersten Jahr wurden in Filadelfia die Evangelische Mennonitische Bruderschaft (auch Allianzgemeinde genannt) und die Mennoniten Gemeinde (damals meist Kirchgemeinde genannt) gegründet. Auch die Mennoniten Brüdergemeinde organisierte sich im Ansiedlungsjahr Fernheims am 9. Juni 1930 in selbständiger Art und Weise. Ähnlich geschah es in Brasilien.

Kennzeichnend und wenig beachtet ist die Tatsache, dass die Geburtsstunde der südamerikanischen Konferenz schlug, nachdem B.B. Janz aus Nordamerika in der offensichtlichen Vollmacht des Heiligen Geistes das große Versöhnungswerk nach der nationalsozialistischen Krise in den Mennoniten Brüdergemeinden Südamerikas 1947 gelungen war. Auf der letzten Buß – und Abendmahlsversammlung am 24. September 1947 legt er der neu vereinigten MB Gemeinde Fernheims Vollmachten vor, ein Teil der Generalkonferenz Nordamerikas in Form einer südamerikanischen Distriktkonferenz zu werden. Dieses Angebot und diese Einladung wurden mit großer Dankbarkeit in Fernheim, später dann auch in Friesland und Brasilien angenommen.

So steht am Anfang der südamerikanischen Konferenz indirekt das Thema der Versöhnung sowie die Frage: Welches ist unser Auftrag in Paraguay und Südamerika?

Auf Anregung von B.B. Janz wird eine Denkschrift verfasst, gerichtet an die Gemeinden und Konferenzen im Norden und Süden. Im Wortlaut heißt es: „Unser teurer Herr Jesus Christus, das Haupt der Gemeinde Gottes auf Erden, hat sich der Mennoniten Brüder- Gemeinde in Fernheim in wunderbarer Weise ganz besonders angenommen, indem durch allgemeine Versöhnung und Vereinigung am 7-ten und 14- ten September 1947 die Einigkeit und das gegenseitige Vertrauen wieder voll hergestellt werden konnte als eine einige Gemeinde, verbunden mit der gemeinsamen Feier des Mahles des Herrn und somit die Trennung infolge der Wirren der Vergangenheit durch den bösen Zeitgeist, sowie gewisse Abweichungen vom Worte Gottes und von den Prinzipien aller MB Gemeinden überwunden und weggetan werden konnten, nachdem Teile der MB Gemeinde solche Störungen schon bedeutend früher abgetan hatten…

Wir möchten gerne die volle brüderliche Gemeinschaft mit unserer MB Bundes Konferenz und mit allen MB Gemeinden hier im Süden pflegen und bitten: Habt uns lieb als Jünger Jesu und Eure Brüder und Schwestern. Wir lieben Euch mit allen, die den Herrn Jesus liebhaben und auf Seine Erscheinung warten…“

Anfang Februar 1948 ist es dann so weit: Gerhard Balzer, Gemeindeleiter in Filadelfia, hat ein „Fürsorgekomitee“ aus Brasilien und Paraguay zusammengestellt und bereitet die erste Distriktkonferenz vor.

Im Protokoll heißt es: „Wäre für uns ein Hinterhalt gewesen, das heißt hätten wir damals schon den Anschluss zu der großen MBG im Norden unseres Kontinents gehabt, manches wäre wohl anders ausgefallen. Die einzelnen Gemeindeleiter hatten nicht die Möglichkeit, sich an jemand anzulehnen. Deshalb entstand immer mehr das Bedürfnis wie auch die Frage des Anschlusses an unsere große MBG Konferenz im Norden (USA und Kanada). Nachdem nun der Herr uns den lieben greisen Bruder B.B. Janz aus Kanada her gesandt hatte, der sowohl in Brasilien wie auch in Paraguay im Segen arbeiten durfte und Getrenntes zusammenführen konnte, ist nun auch der Anschluss an Nordamerika getätigt. Deshalb freuen wir uns, heute erstmalig in dieser Weise zusammenkommen zu dürfen, was ja längst unser sehnlichster Wunsch war.“ (Gründungsprotokoll, 2-3)

Insgesamt gab es zwischen 1948- 1992 20 Delegiertenversammlungen der südamerikanischen Konferenz. Inzwischen hatten sich in Brasilien, Uruguay und Paraguay Landeskonferenzen gegründet und alle waren auch dem neu entstanden globalen ICOMB Verband beigetreten. Dennoch hat die südamerikanische Konferenz eine entscheidende Wirkung auf die Stärkung unserer Gemeinden gehabt: Missionsprojekte, Kinder-, Gemeinde- und Jugendarbeit, Theologie und Zusammenhalt – dieses alles wurde durch die Konferenz gefördert. Außerdem schaffte der geschwisterliche Zusammenhalt herzliche Beziehungen zwischen Predigern, Jugendleitern und Missionaren.

Es ist erstaunlich und beschämend, dass in der Neuzeit der Kommunikation diese Beziehungen viel schwächer geworden sind. Sie finden allerdings im Rahmen von ICOMB eine neue Form.

Alfred Neufeld

Dieser Artikel wurde entnommen aus der Juli-August Ausgabe der Zeitschrift Gemeinde unter dem Kreuz des Südens (GuKS) welche von der Vereinigung der Mennoniten Brüder Gemeinden Paraguays herausgegeben wird. HIER können sie die ganze Ausgabe lesen.