27May

Die Gemeinde als Herde erleben

  1. Wie erlebst du Gemeinde als Herde?

Wenn ich den Begriff „Herde“ höre, muss ich gleich an eine Schafherde denken, die auch in der Bibel sehr oft erwähnt wird. Herde bedeutet ja immer eine Mehrzahl von Tieren, keine einzelnen Tiere, die einem Hirten folgen und von diesem versorgt werden. Auch kümmert der Hirte sich darum, dass keines von den Tieren verloren geht.

Für mich ist das das Schönste an der „Gemeinde-Herde“: man hat einen „Ort“, an dem es nicht egal ist, was ich tue oder wo ich hingehe, sondern es sind andere da, die sich für mein Ergehen interessieren und teilnehmen. Außerdem wird man dort mit dem Wort Gottes „versorgt“ und kann im Glauben wachsen.

  1. Wieso ist das wichtig, Teil von einer “Herde” zu sein?

Ich persönlich könnte es mir nicht vorstellen, als Einzelkämpfer in der Welt standhaft zu bleiben. Ich finde, die Gemeinde ist extrem wichtig für jeden Jesusnachfolger, um dranzubleiben und zum Ziel zu kommen. Vorausgesetzt, die Gemeinde folgt dem wahren Hirten Jesus Christus und tut Seinen Willen. Wir sind als Menschen eben so geschaffen, dass wir die Gemeinschaft und Ermutigung brauchen. Aber um das Gefühl der Zugehörigkeit zu der Herde zu entwickeln, brauchen wir auch eine Aufgabe. Zumindest ist das für mich immer so gewesen. Wenn ich mal eine Zeitlang keine feste Aufgabe in der Gemeinde hatte, war mir gleich so, als würde ich nicht mehr so richtig dazugehören.

Auch habe ich mir immer wieder mal Gedanken darüber gemacht, wie es wäre, wenn wir hier in Paraguay mal in eine Verfolgung kommen würden. Ich denke, dass auch in so einem Fall die Gemeinde eine wichtige Rolle für den Einzelnen spielen würde, zur Ermutigung und Wegweisung. Ich glaube, dass Jesus immer wollte, dass seine Nachfolger sich zusammentun und gemeinsam kämpfen. Ich glaube, dass Jesus selbst der Gründer der Gemeinde ist. Daher ist es auch nicht nur von meinem Gutdünken abhängig, ob ich mich nach meiner Bekehrung in eine Gemeinde aufnehmen lasse oder nicht, sondern es ist auch Teil davon „Gottes Willen zu tun“.

  1. Wie erkennt man in der Gemeinde gemeinsam die Stimme von unserem Hirten?

Ich denke es gibt verschiedene Wege, wie der Hirte zu seiner Herde spricht. In der Gemeinde wird das wohl hauptsächlich durch die Predigt geschehen, sofern die Prediger sich durch den Geist Gottes leiten lassen und das sagen, was dieser ihnen aufgibt. Ich habe es oft erlebt, dass ich bei einer Predigt ganz klar das Gefühl hatte, das dieses heute Gottes Botschaft an mich ist. Mir fehlt es manchmal etwas, die „Propheten“, die wir ganz sicher in unseren Gemeinden haben, mehr zu Wort kommen zu lassen. Ich glaube daran, dass Gott einzelnen Personen besondere

Botschaften gibt, die für die Gemeinde bestimmt sind, so wie damals den Propheten, entweder zur Erbauung, zur Ermahnung oder zur Wegweisung in bestimmten Fragen. Auch denke ich, dass in der Seelsorge oder im gemeinsamen Gebet, Gott zu seinen Herdenmitgliedern spricht. In unseren mennonitischen Gemeinden sind wir oft etwas vorsichtig, wenn es um den Heiligen Geist und sein Wirken geht. Vielleicht könnten wir dem Heiligen Geist mehr erlauben, auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen, um uns Gottes Willen kundzutun? Diese „Stimme Gottes hören“, glaube ich, ist letztendlich auch eine sehr persönliche Sache. Ich habe es oft erlebt, dass ich mich gefragt habe, warum ich nicht mehr das Gefühl hatte, das Gott zu mir spricht. Dann wurde mir klar, dass ich mir zu wenig Zeit für die stille Zeit mit Gott genommen hatte oder auch, dass ich etwas in Ordnung zu bringen hatte. Das heißt, wir müssen in enger Verbindung mit Gott stehen, um seine Stimme hören zu können und auch gehorsam sein.

Elisabeth Müller, MBG Filadelfia

Dieser Artikel wurde entnommen aus der Mai-Juni Ausgabe der Zeitschrift Gemeinde unter dem Kreuz des Südens (GuKS) welche von der Vereinigung der Mennoniten Brüder Gemeinden Paraguays herausgegeben wird. HIER können sie die ganze Ausgabe lesen.