09Mar

Studieren, um zu (ver) dienen

1. Kannst du etwas von dir persönlich mitteilen?
Mein Name ist Estela Flaming de Pérez. Mit meinem Mann und unseren 3 Kindern wohnen wir in Filadelfia, Kolonie Fernheim. In Fernheim besuchte ich auch eine Dorfschule und später das Colegio Secundario Filadelfia. Das Lernen hat mir schon immer Spaß gemacht; gerne war ich im Unterricht, und schon seit meiner Kindheit faszinierte mich der Lehrerberuf. Im Dorf und in der Gemeinde hatte ich als Teenie schon etwas Erfahrung gesammelt in der Arbeit mit Kindern. Mein Wunsch stand fest, ich wollte Lehrerin werden und mit meinen Gaben Gott und Anderen dienen.

So hab ich dann nach meiner Sekundarausbildung für ein Jahr das Lehrerseminar in Filadelfia besucht. Da mein Freund, jetzt Ehemann, aber sein Studium in Asunción machte, entschied ich mich dafür, meine Lehrerausbildung bei der FAHCE weiterzumachen und abzuschließen.

2. Was hat dich motiviert bei der Fahce (heute – UEP Campus Gutenberg) als Lehrerin zu studieren?
Außer dem Wunsch näher und, nach einem Jahr, mit meinem Mann zusammen zu leben, interessierte mich das Studium an der FAHCE, da es eine christliche Universität ist und ich hier unsere Landessprache und die Situation unserer Landesschulen viel besser kennen lernen könnte. Von einigen Ex-Klassenkameraden, die sozusagen Pioniere dieser Schule waren, hatte ich auch von den guten Lehrern und der verantwortlichen Handhabung des Unterrichts gehört.

Dank dieses Studiums an der FAHCE durfte ich viele verschiedene nationale Schulen kennen lernen, die mit einer minimalen Infrastruktur auskommen müssen, und wo der Lehrerberuf ein täglicher Kampf ist.

3. Welches waren Werte die du im Unterricht erhalten hast? (Durch Lehrer oder Mitschüler) // Hast du spezielle Erinnerungen von der Studienzeit?
Während meines Studiums an der FAHCE habe ich viele christliche Lehrer kennengelernt, die ihren Beruf mit voller Hingabe ausübten, und ziemlich genau Bescheid wussten über die Situation der Schulen, der Lehrer und Schüler unseres Landes. Sie haben sich viel Zeit genommen für unsere Fragen, für Gespräche über persönliche und soziale Probleme, und sie lehrten uns die Wichtigkeit des Verantwortungsbewusstseins, der Pünktlichkeit und des Glaubens an einen lebendigen Gott.

Ich muss sagen, dass der Kontakt mit anderen Kulturen, für mich fremde Personen und ein neues Umfeld, mir gut getan haben. Sie haben mir geholfen in meiner persönlichen Entwicklung, sie haben meinen Blickwinkel und meine Kenntnisse über unsere Landeskultur enorm erweitert und bereichert.

Die Tatsache, dass man die Kinder der unteren Klassen noch sehr bemuttert, sehr sanft behandelt und anspricht, war für mich z. B. eine ganz neue Erfahrung und Herausforderung in meinem Praktikum. Auch musste ich lernen, dass Schüler oft im Unterricht fehlen; oft wegen Krankheit, wegen der schlechten Transportmöglichkeiten, oder anderen familiären Gründen.

4. Wie sieht dein (ver)Dienst heute aus?
Nachdem ich 6 Jahre unterrichtet hatte, 2 Jahre an der Schule Ñandejara in Limpio und 4 Jahre am Colegio Filadelfia, bleibe ich jetzt schon einige Jahre zu Hause bei meinen Kindern. Nebenbei habe ich immer zu Hause Nachhilfeschüler gehabt, bei Übersetzungen mitgeholfen und verschiedene Dienste in der Gemeinde gemacht.

Mein Vorhaben ist, im nächsten Jahr, wenn unsere Kinder alle in der Schule sind, wieder zu unterrichten, und vor allem mit meinen Gaben da zu dienen, wohin Gott mich ruft.

Estela Flaming de Pérez