Als Gemeinde haben wir den Auftrag, als Jünger Jesu zu leben und andere Menschen zu Jüngern zu machen. Wie geschieht dieses in unserem Alltag? Wie wird dieser Auftrag auf den verschiedenen Missionsfeldern ausgelebt, die uns umgeben? Damit haben wir uns als Gemeinde in der ersten Juni-Woche auf besondere Art auseinandergesetzt.
Es wurden Besuche bei verschiedenen Missionsstellen organisiert, wozu ein jeder sich nach Möglichkeit und Interesse anmelden und mitmachen konnte. So wurden z. B. Einsätze bei den Angaité-Siedlungen und auf der Siedlung „San Antonio“ gemacht. Weiter wurden Missionsorganisationen besucht, mit denen wir als Gemeinde verbunden sind, wie z. B. Yalve Sanga, die Schulen „La Huerta“ und „Decoud Larrosa“, die „Cooperación Vecinal“ von Fernheim.
Am Samstag, den 06. Juni, haben wir bei einem Zeugnisabend unsere Eindrücke und Erlebnisse von diesen Missionsbesuchen mitgeteilt. Es folgen nun zwei von diesen Zeugnissen:
Seit mehreren Jahren fahren freiwillige Frauen aus der MBG Blumental und der MBG Neuland regelmäßig zu den Siedlungen der Angaité-Frauen, um dort Missionseinsätze durchzuführen. Gemeinsam singen wir Lieder, erzählen eine biblische Geschichte, basteln oder machen eine kleine Handarbeit. Zum Abschluss essen wir gemeinsam Guiso. Unserem Eindruck nach ist dieses gemeinsame Essen für viele Frauen der Höhepunkt des Tages.
Mich zu diesen Einsätzen anzumelden, fällt mir nicht immer leicht. Im Alltag gibt es zu Hause oft so vieles zu erledigen… Doch ich habe noch keinen dieser Einsätze bereut. Jedes Mal durfte ich ihn als großen Segen erleben. Die Gemeinschaft mit den Schwestern aus der Gemeinde habe ich als sehr wertvoll empfunden. Während wir gemeinsam dienen, entstehen gute Gespräche, gegenseitige Ermutigung und ein schönes Miteinander.
Diese Einsätze haben auch mein eigenes Denken den Angaité-Frauen gegenüber verändert. Da wir in der Nähe der Siedlungen wohnen, kommen manche Frauen regelmäßig auf unseren Hof, um nach Lebensmitteln, Kleidung oder Schuhen zu fragen. Ehrlich gesagt fällt es mir oft schwer, sie freundlich zu begegnen.
Doch ich habe gelernt, dass diese Frauen in Gottes Augen genauso wertvoll, gewollt und geliebt sind wie jeder andere Mensch. Auch wenn ich ihnen nicht jeden Wunsch erfüllen kann, möchte ich sie respektvoll begegnen und freundliche Worte wählen. Oft sind es gerade diese kleinen Gesten, durch die Gottes Liebe sichtbar werden kann.
Während eines Missionseinsatzes fällt es leicht, gemeinsam zu singen, zu beten und von Jesus zu erzählen. Die eigentliche Herausforderung beginnt dann, wenn die Frauen unerwartet auf unseren Hof kommen. Dann versuche ich mich bewusst zu fragen: Was würde Jesus jetzt tun? Und, können sie das Licht Jesu in mir sehen?
Melissa Ekkert
Die Cooperación Vecinal von Filadelfia versucht genau das, was der Name aussagt: Zu kooperieren zwischen den deutschsprachigen Fernheimern und ihren Nachbarn, wobei der Focus auf die Indianersiedlungen rund um Filadelfia liegt. Wichtig dabei ist, dass bei jedem Projekt beide Seiten ihren Anteil leisten. Ein Beispiel: In der Siedlung Guidaichai sollte ein Fußballfeld gemacht werden. Die Kooperative spendete das Gelände, die Munizipalität den Maschendrahtzaun und die Ayoreo-Indiander kümmerten sich um die Pfosten für den Zaun und das Eingraben derselben. Es brauchte einen Zeitraum von drei Jahren, bis die Pfosten standen und der Zaun mit dem Draht fertiggestellt werden konnte. Doch das Resultat der Mitarbeit von allen Seiten ist: Heute sind die Ayoreo-Indiander stolz auf ihr Fußballfeld, sie nutzen und pflegen es selbst.
Cooperación Vecinal hat ein Vertrauen zu den Menschen der Siedlungen aufgebaut. Sie kennen die deutschsprachigen Fernheimer als diejenigen, die da sind, da bleiben und miteinander leben wollen. Das hat mich sehr beeindruckt, denn verschiedene andere Organisationen kommen mit großartigen Projekten, führen sie durch und sind wieder weg.
Zudem hat Cooperación Vecinal dafür gesorgt, dass in den Siedlungen Zugang zu Wasser und Strom ist, welches die Lebensbedingungen deutlich verbessert. Seit die Menschen das Wasser bezahlen müssen, statt es gratis zu erhalten, wird 25% weniger Wasser verbraucht. Das zeigt wieder: Wenn Menschen ihren Beitrag leisten, wächst die Verantwortung.
Mir ist durch diesen Besuch bewusster geworden, was zu der Würde des Menschen beiträgt: Indem wir einander auf Augenhöhe begegnen und jeder seinen Beitrag gibt, auch wenn es hart erscheinen mag. Sehr oft ist es einfacher zu schenken, statt Zeit zu haben, zuzuhören und gemeinsam eine Lösung zu suchen.
Marion Ricarda Dürksen
Das Missionswochenende der MBG Blumental schloss mit einem Gottesdienst am Sonntag (07. Juni) zum Thema: „Das dreidimensionale Evangelium“. In der Predigt sprach Boris Koop davon, dass durch den Sündenfall Schuld, Scham und Angst auf die Menschheit gekommen ist. Jede Kultur ist mit diesen 3 „Problemen“ behaftet, wobei eines meist am dominantesten ist. Das Evangelium antwortet auf diese 3 „Probleme“. Jesus hat die Schuld, die Scham und die Angst ans Kreuz gebracht! Diese frohe Botschaft wollen wir für uns persönlich in Anspruch nehmen und weitertragen.
Jonathan Dürksen, Co-Pastor der MBG Blumental